Das aufsuchende Losverfahren

Losen ist nicht gleich losen. Damit das Los sein Versprechen einlöst und echte Meinungs- und Perspektivenvielfalt schafft, haben wir das aufsuchende Losverfahren entwickelt. Es zielt auf die Einbeziehung derjenigen, die „nichts mit Politik am Hut“ haben; der „Stillen”, bzw. Personen, die von alleine nicht an einem solchen Format teilnehmen können oder wollen

Klassische Losverfahren

… schaffen es zwar, Zufallsbürger*innen anhand festgelegter Kriterien wie Alter oder Geschlecht auszuwählen. Hierfür wird eine große Anzahl an Personen ausgelost und angeschrieben, aus deren Rückmeldungen eine Stichprobe gezogen wird. Ein Kernproblem der Bürger*innenbeteiligung lösen diese Verfahren jedoch nicht: Es sind aus verschiedenen Gründen stets die „üblichen Verdächtigen“, die Interessierten bzw. Engagierten, die sich auf eine solche Einladung zurückmelden.

Genau hier setzt das Aufsuchende Verfahren an

Indem Eingeladene, die sich nicht zurückgemeldet haben, aufgesucht werden, holt die Demokratie jede*n Einzelne*n buchstäblich an der Haustür ab. Nur im persönlichen Gespräch gelingt es unserer Erfahrung nach, die „stillen Gruppen“ zu aktivieren. So konnte während der Pilotierung unserer Wahlkreisräte etwa jede zweite angetroffene Person für eine Teilnahme gewonnen werden, indem wir sie danach gefragt haben, was sie für eine Teilnahme benötigen.

Das aufsuchende Losverfahren wurde auch vor unseren Wahlkreisräten bereits in zwei Brandenburger Kommunen vielfach durch das Es geht LOS Mitglied Linus Strothmann angewandt und hat sich dabei bewährt.

Wichtige Begegnungen an der Tür

Ein weiterer Vorteil des Aufsuchenden Losverfahrens ist, dass durch den Kontakt an der Haustür auch Rückmeldungen von den 95 % aufgenommen werden, die nicht teilnehmen können oder wollen. Bei anderen Verfahren besteht keine Möglichkeit, etwas über diese Gruppe zu erfahren. Beim Aufsuchen finden wir heraus, weshalb die Eingeladenen sich nicht zurückgemeldet haben. Wir können ihre Fragen und Bedenken beantworten und so laufend lernen, wie wir Beteiligung für alle verbessern können. Über kurze Interviews an der Tür können wir außerdem ihre Themen und Wünsche in den Prozess einbringen, selbst wenn sie sich gegen eine Teilnahme entscheiden.

Einwände, die ausgeloste Menschen haben

Häufige Einwände von Menschen, die ausgelost wurden, sind u.a.:

  • inhaltlich nicht beitragen zu können
  • in solchen Verfahren nicht hinreichend zu Wort zu kommen
  • bei „der Politik“ ohnehin kein Gehör zu finden
  • oder schlichtweg Bedarfe nach Kinderbetreuung, technischer Infrastruktur, oder einem Dolmetscher.

So entscheidet wirklich der Zufall über die Teilnahme an einem solchen Format – nach dem Motto: „Jede Stimme zählt“

Und es funktioniert!

Die Ergebnisse aus der unabhängigen Evaluation der Wahlkreisräte deuten auf eine unterschiedliche Wirkung von aufsuchendem und konventionellem Losverfahren hin. Es gibt erste Anzeichen dafür, dass Aufsuchen es schafft, vor allem Personen mit niedrigerem politischem Interesse, geringeren kollektiven Wirksamkeitserwartungen und einer geringeren Wahlbeteiligung zu erreichen.

Wer noch mehr über das aufsuchende Verfahren erfahren will, dem sei das Buch: Wir holen euch ab! empfohlen, dass sich diesem Thema widmet.

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